Geburtstag — Ein paar Gedanken

Gestern war es wieder soweit: Ich bin ein Jahr älter geworden.

Das mag jetzt nach Verzweiflung klingen, weil wieder ein Jahr meines Lebens vorbei ist, aber es ist viel mehr so, dass es schlicht weg nichts besonderes für mich ist. Alle Geburtstage außer des 18. und des 100. sind völlig uninteressant. Es ist einfach ein teilweise nervendes Ereignis, an dem man sich schon fast gezwungen fühlt irgendetwas zu veranstalten, um den Erwartungen von Familie und Freunden gerecht zu werden. Ständig klingelt das Telefon oder es vibriert das Smartphone, weil jemand Glückwünsche zustellen möchte. — So ging ich jedenfalls auch dieses Jahr wieder an die Sache heran.

Montagmorgen. Die Motivation, in die neue Woche zu starten, hält sich in Grenzen, trotz des Faktes, dass heute mein Geburtstag ist. Ich stehe gezwungenermaßen auf; betrete das Wohnzimmer. Meine Eltern haben einen Geburtstagstisch mit Kuchen und Geschenken gedeckt und singen für mich, während unser Hund sich freudig im Kreis dreht. Dann werden Geschenke ausgepackt. Währenddessen trudeln bei WhatsApp die ersten Glückwünsche ein. Meine Freundin postet einen süßen Beitrag im Netz.

In der Schule wird die Klassen-Geburtstagslied-Tradition abgehalten, welche drei Lieder hintereinander beinhaltet und an deren Einführung ich maßgeblich beteiligt war. „Happy Birthday“, „Hoch sollst Du leben“ und „Wie schön, das du geboren bist“ schallt mir mehrmals am Tag um die Ohren. Einige Lehrer gratulieren mir. Eigentlich nur einer, was meinem Stundenplan geschuldet ist, denn ich habe Montags nur drei Verschiedene. Ich bekomme mehrere (!) Kuchen geschenkt und lasse ganz grundschullike mitgebrachte Süßigkeiten herumgehen.

14:45 Uhr. Schulschluss. Zu Hause ist der Tisch schon für Gäste zu Kaffee und Kuchen eingedeckt. Nach und nach kommen immer mehr Familienmitglieder und Freunde. Mir werde Geschenke überreicht und meine Gäste blasen zum Strum auf das Kuchenbuffet („…auf Schwarzwälder-Kirsch und auf Sahne-Baisser…“). Das Geschnatter aller ist laut und die Gruppe teilt sich nach kurzer Zeit in „jung“ und „alt“ an zwei verschiedene Tische auf. Wieder etwas aus der Grundschulzeit: der Kindertisch. Die Geschenke-Topliste wird angeführt von einem Playmobil-Set mit Ottern und jeder Menge Marzipan.


An dieser Stelle ein kleiner Einwurf zu Geschenken. Ist es eigentlich verwerflich, wenn man sich zu seinem Geburtstag nichts spezifisches wünscht? Ich persönliche sehe das als eine gute Sache. Wenn man momentan keine wirklichen Wünsche hat, scheint man doch ziemlich glücklich mit dem zu sein, was man hat. In diesem Fall müssen dann allerdings die Schenker aktiv und kreativ werden, um das Geburtstagskind mit einem passenden Geschenk zu überraschen.


Zurück zum Anfang. Wenn ich den gestrigen Tag nochmal Revue passieren lasse, wird mir doch klar, dass man nicht negativ an seinen eigenen Geburtstag herangehen sollte. Einerseits, weil sich alle anderen, die den ganzen Tag so um einen herumschwirren mit einem freuen möchten und wollen, dass man einen schönen Tag hat und andererseits, da es endlich mal Abwechslung zum Mainstream des sonstigen Jahres darstellt. Einmal im Jahr Nummer 1 sein, einmal im Jahr seinen Ehrentag feiern, ob es eine Ehre ist, ein Jahr älter zu werden sei dahingestellt, und einmal im Jahr genießen, wie gut man es doch eigentlich hat.

Das alles macht jeden Geburtstag von null bis unendlich doch zu einem besonderen.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s