Twitter – Wie ein Phoenix aus dem Müll?

Als Socialmedia das Fliegen lernte

Genau einen Tag nach meinem 18. Geburtstag wird der Kurznachrichtendienst Twitter seinen 12. Geburtstag feiern. Ich hätte also theoretisch mit sechs Jahren anfangen können Tweets ins World Wide Web zu setzen — jedenfalls wenn ich damals schon vom großen und unendlichen Internet gewusst, geschweige denn es verstanden hätte.

Ich begann erst im Februar 2013 damit zu twittern, schrieb viel Quatsch, löschte Nachrichten, entfernte mich von der Plattform, doch kehrte wieder zurück. Mein erster, noch abrufbarer Tweet lautet:

„Bist du zu Hause? — Nee, ich laufe mit dem Haustelefon durch die Stadt.“

Ich muss zugeben, es handelt sich nicht um eine Meisterleistung. Ein geklauter Spruch, den ich irgendwo aufgeschnappt habe, um ihn dann ins Internet zu schreiben.

Mittlerweile hat sich meine Herangehensweise allerdings geändert. Ich twittere viel und eigentlich täglich. Meistens gebe ich meine Meinung zum Weltgeschehen ab, lasse mich über mediale Ereignisse aus oder verlinke zu Artikeln, die mich begeistern und beschäftigen.

Twitter hat sich zu meiner liebsten Plattform gewandelt und sticht Facebook, Instagram, Snapchat und Co aus.

Doch was macht Twitter im Gegensatz zu anderen Social-Media-Kanälen so besonders? Facebook manövriert sich neuerdings, scheinbar durch Geldgier und Notwendigkeit von Nutzerak­qui­si­ti­on getrieben, stetig weiter in Richtung einer Videoplattform, die hauptsächlich bezahlten Content und auf gut Deutsch gesagt Schwachsinn verbreitet. Unter anderem litt die Plattform zu Zeiten der Flüchtlingskrise und dem Aufstieg der AfD stark darunter, dass sich Anhänger extremer Gruppierungen in Facebookgruppen zusammenschlossen. Aus den genannten Gründen und Monopolgeiz, kaufte das Unternehmen den Riesen Instagram auf. Der Charme der Fotoplattform knackste, als sie begann Snapchats Erkennungsmerkmale ab zu kupfern. Fotos, die Sofort wieder verschwinden und Stories, die nur eine bestimmte Zeit lang abrufbar sind, finden Nutzer mittlerweile also in mehreren Anwendungen.

An Twitters Masche hat sich noch keiner versucht. Tweets schreibt man on-the-go. Der Gedanke, der einem in den Sinn kommt, landet nicht mehr wie vor hunderten Jahren mit einer Feder auf dem Papier, sondern beim gefiederten Freund im Internet. Tweets  lassen sich zwar permanent löschen, können aber nicht nachträglich verändert werden. Der Micro-Blogging-Dienst hat sich entgegen der von vielen Usern gewünschten 5-Minuten-Korrektur, also einem Zeitfenster in dem sich Fehler noch verbessern lassen, für das Anheben des Zeichenlimits von 140 auf 280 entschieden. Vielen stieß dies negativ auf. Doch mittlerweile ist klar, dass sich gar nicht so viel verändert hat, wie zunächst angenommen wurde.

Man hat außerdem das Gefühl, das Unternehmen handelt völlig anders als seine Konkurrenten. Seit der Gründung 2006 schrieb Twitter Anfang dieses Jahres erstmals schwarze Zahlen. Der kostenlose Dienst finanziert sich ausschließlich durch Werbung auf der Seite und machte dank nur langsam steigenden Nutzerzahlen bis vor kurzem ausschließlich Verluste.

Lange Zeit waren viele Menschen dem Kurznachrichtendienst gegenüber sehr skeptisch. Viele waren der Meinung Twitter sei eine Plattform der Banalitäten. Mehr als ein Statusupdate zum Kuchen im Backofen oder dem Verlauf der Familienfeier könne man in seiner Timeline nicht erwarten. Doch Mittlerweile ist es zum ultimativen, weltweiten Kommunikationsmittel aufgestiegen. Kaum ein Schauspieler, Sänger, Internetstar, Politiker oder Journalist twittert nicht. Einerseits ist die Plattform eine weitere Möglichkeit im Social-Media-Bereich, um seine Fans, Anhänger, Freunde und Verwandte am eigenen Leben teilhaben zu lassen, andererseits lassen sich aktuelle Informationen rasend schnell verbreiten und erreichen sofort sämtliche Interessierte.

Dichter und Denker

Doch fern ab von dieser reinen Informationsverbreitung gibt es auch noch andere User — Pseudonyme. Sie sehen Twitter als einen Ort des künstlerischen Schaffens. Einen Ort, der ihnen eine Wand bietet, die sie mit ihren sprichwort-würdigen Gedanken, Aphorismen, Wortspielen und so vielem mehr voll schreiben können. Zig tausende Menschen zwitschern täglich pointierte Fetzen ihres Lebens und ihrer Erfahrungen in allen Sprachen dieser Welt.

Diese Nutzer sind Twitters eigentliche Helden. Ich folge vielen von ihnen. Sie versüßen dir den Tag mit ihren lustigen Zeilen, heitern dich auf wenn du mal traurig bist, regen dich dazu an über ihre Worte nachzudenken und bringen in 140 bzw. 280 Zeichen einfach mal das auf den Punkt, was du gerade versuchst im Kopf zu formulieren. Mit fast jedem von ihnen kann man sich identifizieren. Es entsteht eine ganz eigene Sprache im Netz. Diese kreativen Köpfe scheinen erst durch Twitter einen Teil ihrer Erfüllung gefunden zu haben. Hoffentlich begeht Twitter nicht die gleichen Fehler wie so manch ein Konkurrent und bleibt uns genau so wie es ist noch so lange wie möglich erhalten.

Finn „@fschamerowski“ 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s